Rubrik: Kunst, Kultur & Musik

„Ein Ausnahmefotograf, der die Menschen bewegte“
LFP Redaktion

„Ein Ausnahmefotograf, der die Menschen bewegte“

Münster - Der münstersche Porträtfotograf Pan Walther (1921–1987) bezeichnete sich selbst gerne als Lichtbildner. Die Ausstellung, die seit November, im Stadtmuseum Münster zu sehen ist, inszeniert diese Selbstbeschreibung im eigens dafür hergerichteten Fürstenbergsaal. „Wer sich die Fotografien von Pan Walther anschaut, der versteht sofort, was mit dem Titel ‚Lichtbilder‘ gemeint ist“, sagt Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé. „Das Licht ist in seinen Aufnahmen ein grundsätzliches Gestaltungsprinzip, das er in der Dunkelkammer in seinen Handabzügen noch weiter ausarbeitete. Pan Walther war ein Ausnahmefotograf, der die Menschen bewegte.“ Die Ausstellung zeigt ausschließlich von Pan Walther bearbeitete Originalabzüge, was sie einzigartig macht. Der Betrachtende spürt sofort, dass jedes Porträt das Ergebnis eines intensiven Austauschs zwischen Fotograf und Modell ist. Die Schwarz-Weiß-Fotografien fixieren zwar nur einen kurzen Moment, vermitteln aber stets einen weit darüber hinaus gehenden Eindruck vom Wesen des Menschen. Pan Walther ist einer der bedeutendsten deutschen Porträtfotografen. Fürstenbergsaal komplett weiß gestaltet Neben den Porträts entstanden auf zahlreichen Reisen auch gefühlvolle und ausdrucksstarke Landschafts- und Architekturaufnahmen. „Wir freuen uns sehr, den Künstler aus Anlass seines 100. Geburtstags mit dieser zwar begrenzten, aber ganz besonderen Retrospektive ehren zu können“, erläutert Dr. Barbara Rommé. Um den Aufnahmen eine besondere atmosphärische Tiefe verleihen zu können, ist der Fürstenbergsaal im Stadtmuseum inklusive Fußboden komplett weiß gestaltet worden. Nach der Ausbildung zum Fotografen in Dresden verließ Pan Walther mit seiner Frau 1950 die Stadt und kam nach Münster. Das erste Atelier für Porträtfotografie richtete er an der Rothenburg ein, später zog er zur Ludgeristraße, wo er über 30 Jahre lang tätig war. Ganze Generationen münsterscher Geschäftsleute, Professoren, Politiker, Künstler und Schauspieler ließen sich dort fotografisch porträtieren. Die Ausstellung wird bis zum 13. Februar im Stadtmuseum an der Salzstraße gezeigt. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen im Stadtportal auf www.stadt-muenster.de/museum.
LWL-Museum für Kunst und Kultur: Ein Spaziergang für die Ewigkeit
LFP Redaktion

LWL-Museum für Kunst und Kultur: Ein Spaziergang für die Ewigkeit

Münster - Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zeigt in diesem Sommer mit "August und Elisabeth Macke. Der Maler und die Managerin" (bis 5.9.) eine große Ausstellung, die nicht nur den bekannten Expressionisten August Macke würdigt, sondern vor allem die Rolle seiner Frau Elisabeth herausstellt. Das Gemälde "Sonniger Weg" ist in vielerlei Hinsicht ein Beispiel für Elisabeth Mackes Wirken auf die Arbeit ihres Mannes. Das Bild entstand gleich am Anfang ihres Hilterfinger Aufenthalts am Thuner See in der Schweiz im Oktober 1913. In diesen Monaten entstanden zahlreiche Zeichnungen und Gemälde von flanierenden Menschen. Für diese Werkgruppe ließ sich August von seiner Frau Elisabeth Macke inspirieren. Dies bezeugen zahlreiche Darstellungen von ihr beim Spaziergang mit dem gemeinsamen Sohn Walter, die in Mackes Skizzenbüchern überliefert sind. Im "Sonnigen Weg" steht im Vordergrund ein Paar, das sich an ein Geländer lehnt und die Aussicht über den See genießt. Im Hintergrund kommt den Betrachtenden eine Spaziergängerin mit Kind entgegen, die Macke vermutlich nach Studien von Elisabeth mit dem Sohn Walter malte. Mit leuchtenden Farben werden die Lichtreflexionen, die durch das Blätterdach der Bäume fallen, hervorgehoben. Elisabeth war jedoch nicht nur Modell für ihren Mann. August Macke schätzte ihren Sinn für Ästhetik und bat sie beim Malen seiner Werke um ihren Rat. In seltenen Fällen malte Elisabeth Macke sogar selber in die Gemälde August Mackes hinein. Auch nach dem frühen Tod ihres Mannes engagierte sich Elisabeth für seine Kunst. Sie gab Werke in Kommission an Galerien und verkaufte oder verschenkte Bilder an die wichtigsten deutschen Museen. Den "Sonnigen Weg" gab Elisabeth beispielsweise noch 1933 als Dauerleihgabe an die Nationalgalerie in Berlin. Durch Elisabeths unablässiges Engagement ging August Macke als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Expressionismus in die Kunstgeschichte ein. Im LWL-Museum für Kunst und Kultur läuft derzeit und bis zum 5. September die Ausstellung "August und Elisabeth Macke - der Maler und die Managerin“.
Museumsmalerin gestaltet begehbare Bodenkammer im LWL-Museum für Naturkunde
LFP Redaktion

Museumsmalerin gestaltet begehbare Bodenkammer im LWL-Museum für Naturkunde

Münster - Eine Reise in die obersten Zentimeter des Waldbodens können Besucher:innen bald im LWL-Museum für Naturkunde in Münster antreten. Eine "Bodenkammer" ist Teil der neuen Sonderausstellung "Alleskönner Wald" ab dem 25. Juni im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Um die Besucher:innen in diese Welt eintauchen zu lassen, arbeitet Dipl.-Designerin und Museumsmalerin Beatrix Clement derzeit an der künstlerischen Gestaltung der Innen- und Außenwände. Mit einer begehbaren Bodenkammer und der davorliegenden acht Meter breiten und vier Meter hohen, bemalten Wand möchte Ausstellungsmacherin Nadine Howe das abstrakte "Universum Waldboden" erlebbar machen. "Durch die künstlerische Gestaltung kann die Besucherin und der Besucher, scheinbar geschrumpft, in diesem Raum die heimlichen Helden des Bodens treffen, ohne die sich das Laub auftürmen würde", sagt Howe. Der geeignete Maßstab Möglich wird dies durch die starke Vergrößerung der Bodenbestandteile und Bewohner von 100 : 1 an der Außenwand und 600 : 1 im Inneren der Kammer. Die Illusions- und Landschaftsmalerin Clement entschied sich zusammen mit der Ausstellungsmacherin für zwei unterschiedliche Maßstäbe. Da die typischen Bodenbewohner enorme Größenunterschiede aufweisen und es nur so möglich war, deren komplette Vielfalt zu zeigen, griff die diplomierte Designerin zu diesem Mittel. "Ein Regenwurm wäre bei einer sechshundertfachen Vergrößerung letztlich circa 36 Meter lang und 2,40 Meter breit geworden - zu groß für unsere Wand. Andere Bodenbewohner wiederum sind bei einem Maßstab von hundert zu eins kaum erkennbar", sagt Clement. Die künstlerische Umsetzung An der Umsetzung dieser Reise arbeitet Clement bereits seit Mitte März. Mit einer intensiven Recherche zur Zusammensetzung des Bodens und seinen Lebewesen ging es los. Sie entdeckte, "wie viele unterschiedliche Tiere auf kleinstem Raum leben". Anschließend untersuchte sie Waldbodenproben unter dem Mikroskop, sprach mit Howe über die verschiedenen Arten, die abgebildet werden sollen und entwickelte passende Skizzen davon. Eine Herausforderung für Clement war dabei, zahlreiche Aspekte wie die verschiedenen Farben der Tiere und Bodenbestandteile, die Form der Sandkörner oder auch die Anzahl der jeweiligen Tiere und ihren spezifischen Lebensraum im Boden zu berücksichtigen. Springschwänze, Raubmilben, Rädertierchen und viele andere winzige Lebewesen mussten alle genauestens studiert und anschließend lebensecht im richtigen Größenverhältnis an die Wand gebracht werden. Selbst kleine Wasseradern oder Jagdszenen können Besucher:innen bei genauem Hinsehen entdecken. Im Inneren der Bodenkammer Vollständig wird die Reise in den Waldboden innerhalb der Kammer durch ein Zusammenspiel von künstlerischer Ausstellungsgestaltung, geologischer Präparation, Modellen und Technik. Beispielsweise wird an modellierten Baumwurzelspitzen und Pilzwurzeln sowie versteckten Lichtleisten der Nährstoffaustausch erklärt. Detaillierte Modelle zeigen die eher unbekannteren Bodenbewohner Springschwanz und Raubmilbe. Hintergrund zur Ausstellung Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab dem 25. Juni 2021 die Sonderausstellung "Alleskönner Wald". Auf 560 Quadratmetern Ausstellungsfläche sowie im Außenbereich des Museums lernen Besucherinnen und Besucher den Wald als Lebensraum, Ökosystem, Arbeitsplatz sowie Zufluchtsort kennen. Die Ausstellung beinhaltet Brailleschrift, einen speziellen, mehrsprachigen Audioguide (D, EN, NL) sowie eine Audiodeskription für Blinde und sehbehinderte Menschen, Tastmodelle für Menschen mit Sehbehinderung, Mitmachstationen und untertitelte Filme. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Schülerinnen und Schüler, Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene, Werkstattnachmittage und Literarische Rundgänge angeboten. Ein Begleitbuch vertieft die Inhalte der Ausstellung und ist im Shop erhältlich.
Kunstwerke aus "Passion Leidenschaft"
LFP Redaktion

Kunstwerke aus "Passion Leidenschaft"

Münster - Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster versammelt in der Ausstellung "Passion Leidenschaft. Die Kunst der großen Gefühle" (bis 14.2.) nationale wie internationale Kunst, die menschliche Emotionen verhandeln. Aufgrund der derzeitigen coronabedingten Schließung des Hauses möchte das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) einige Exponate medial wie digital vermitteln. Das Gemälde "Bacchanale" (1896) von Lovis Corinth (1858-1925) zeigt eine Vielzahl nackter, tanzender Figuren auf einer Wiese. Der Titel weist auf die sogenannten Bacchanalien hin, also auf Feste, die in der römischen Antike zu Ehren des Wein- und Vegetationsgottes Bacchus - im Griechischen Dionysos -veranstaltet wurden. In Corinths "Bacchanale" ziehen elf monumentale Aktfiguren auf drei Gruppen verteilt frontal auf die Betrachtenden zu. In der Mitte des Bildes ist ein Pärchen zu sehen. Dieses besteht aus einem Jüngling, der rücklings auf der Blumenwiese liegt, und einer jungen Frau, die sich lachend über ihn beugt. Dabei verdreht sie dem Jüngling den Arm, tritt ihm auf die Rippen und versucht, ihn mit einer Rute zu schlagen. Im Vergleich zur klassischen Darstellung von Bacchanalien fallen in Corinths Bearbeitung des Themas deutliche Unterschiede auf. Das sind die fast völlige Nacktheit der Figuren und vor allem das Fehlen von Musikinstrumenten und Gefäßen. Keine der Figuren trinkt, wenngleich die Darstellung auf Trunkenheit und Rausch hindeutet. Das Bild vereint aus-gelassenen Tanz, hysterische Trancezustände, sexuelle Triebkraft und einen anzüglichen Geschlechterkampf in seinem Zentrum. 1896 fertiggestellt, ist das Bild trotz des historischen Themas vor allem eine Kritik an der wilhelminischen Gesellschaft Münchens. Die Figuren befinden sich nicht in wilder Natur, sondern auf einer frisch gemähten Wiese. Die modernen Hochsteckfrisuren und die so gar nicht antik geschminkten Gesichter waren typisch für den Frauentypus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Corinth kritisiert in dem Gemälde das dekadente und ausschweifende Leben seiner Zeit, indem er einen Stoff der Antike nutzt. Seinen Zeitgenossinnen bleibt die spitze Kritik aber nicht verborgen - die Folge ist ein Skandal, das Bild wird zunächst nicht ausgestellt. Das Gemälde mit weiteren Erläuterungen ist im Digitorial® des LWL-Museums für Kunst und Kultur zu finden: https://passion-leidenschaft.lwl.org/
Zeitreise mit Spielfiguren - PLAYMOBIL-Sammlung Oliver Schaffer“ im Stadtmuseum
LFP Redaktion

Zeitreise mit Spielfiguren - PLAYMOBIL-Sammlung Oliver Schaffer“ im Stadtmuseum

Münster - „Mit dieser Ausstellung beschreiten wir neue Wege“, weist Direktorin Dr. Barbara Rommé auf ein nicht alltägliches Projekt des Stadtmuseums hin, das die über 1200 Jahre währende Stadtgeschichte mit den aus Kindertagen bekannten Playmobil-Figuren in Szene setzt. Die ungewöhnliche Präsentation „Stadtgeschichte(n) Münster - PLAYMOBIL-Sammlung Oliver Schaffer“ wurde Ende Oktober eröffnet. Mit Tausenden von Spielfiguren aus Kunststoff und unzähligem Zubehör nimmt der Hamburger Künstler Oliver Schaffer mit auf eine Zeitreise der besonderen Art. Historische Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte nehmen in eigens angefertigten PLAYMOBIL-Figuren Gestalt an. Der Vielfalt der Kombinationen sind dabei keine Grenzen gesetzt. So sind etwa Bischof Liudger, der Zoogründer Hermann Landois, die Bischöfe Franz von Waldeck und Christoph Bernhard von Galen in den aufwendig gestalteten Dioramen zu entdecken. Auch der König der Täufer, Jan van Leiden, der Architekt Johann Conrad Schlaun sowie die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff spielen eine Rolle. Für die Ausstellung im großen Saal des Museums wurde eine aufwendige Präsentationsform entwickelt. So sind die historischen Szenen großflächig auf Plattformen entlang der Wände positioniert. In der Saalmitte erzählt ein mit PLAYMOBIL-Teilen erstelltes Szenario alles, was über die Jahrhunderte wichtig, prägend und typisch für Münster war und ist. Die Dioramen zeigen so beispielsweise die Anfänge Münsters in der Zeit um 793 mit dem Bau der Klosterkirche und das Leben im Mittelalter mit dem Bau der Stadtmauer. Die Massentaufen der Täufer 1534 werden ebenso dargestellt, wie König Jan van Leiden mit seinem Hofstaat und den 16 Ehefrauen. Aufwändig inszeniert sind auch die beiden Belagerungen Münsters der Jahre 1534/1535 und 1667/1660. In der Schaulandschaft zum Barock überwacht der Architekt Schlaun die Anlieferung der Möbel für das Schloss, während im Barockgarten Adelige flanieren und sich amüsieren. Kinder wie Erwachsene können so in den Miniaturwelten Neues entdecken oder Bekanntes mit neuen Augen sehen. Es werden immer wieder Brücken in die Dauerausstellung des Museums geschlagen und von dort, dem Ort, an dem Stadtgeschichte durch historische Originale lebendig wird, zurück zur fantasievollen Umsetzung mit den Spielfiguren. „Spielerisch und niedrigschwellig wird so liebevoll mit vielen Details Stadtgeschichte begreifbar gemacht“, freut sich Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé. „Das Projekt zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass das Team des Stadtmuseums und insbesondere Dr. Bernd Thier seine wissenschaftlichen Kompetenzen eingebracht haben und so auch ein Bild der Stadtgeschichte Münsters auf dem Stand der Wissenschaft gezeichnet wird. Es entsteht eine innovative Form der Stadtgeschichtsvermittlung für Alle.“ Der Künstler Oliver Schaffer hat im Laufe der Zeit die größte PLAYMOBIL-Schausammlung der Welt aufgebaut und präsentiert sie seit einigen Jahren zu immer wieder unterschiedlichen Themen in Ausstellungen und Museen. So war er 2009 im Musée des Arts décoratifs im Westflügel des Louvre in Paris mit seinen kleinen Figuren zu Gast. Mit viel Fantasie erschafft er immer neue Spiel- und Bilderwelten, die weit über die ursprünglichen Ideen des Herstellers hinausgehen. „Der Förderverein des Stadtmuseums hat keine Kosten gescheut und die Ausstellung, die bis zum 21. September 2021 zu sehen ist, großzügig unterstützt“, freut sich Rommé über die hilfreiche Unterstützung. Für Besucher gilt: Der Eintritt ins Museum ist frei.
Überlebenskünstler Mensch - Die neue Sonderausstellung im LWL-Museum für Naturkunde
LFP Redaktion

Überlebenskünstler Mensch - Die neue Sonderausstellung im LWL-Museum für Naturkunde

Münster - In seiner 300.000-jährigen Geschichte hat der moderne Mensch eines bewiesen: Er ist ein Überlebenskünstler. Das stellen Menschen immer wieder durch Erfindungsreichtum unter Beweis. Diesem Thema widmet sich die neue Sonderausstellung "Überlebenskünstler Mensch" im LWL-Museum für Naturkunde in Münster und sucht nach Antworten auf Fragen rund um die Spezies Mensch. Im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) lernen Besucher in der deutschlandweit umfassendsten Darstellung zu diesem Thema den Menschen in all seinen Facetten kennen. Dabei spannen die drei Ausstellungsmacherinnen Lisa Klepfer, Dr. Ramona Dölling und Dr. Hanna Rüschhoff einen Bogen von den Anfängen des Homo sapiens als Jäger und Sammlerin bis hin zur möglichen Besiedlung des Mars durch die Menschheit. "KIimawandel - größte Herausforderung für Überlebenskünstler Mensch" "Von den ersten Faustkeilen über die Erfindung des Computertomographen bis zu Pflanzen-Experimenten auf dem Mars scheint es ein weiter Weg zu sein - eine lange Kette von Erfindungen, die das Leben erleichtern oder sogar retten ", so LWL-Direktor Matthias Löb. "Doch es wäre naiv, die Entwicklung des Menschen nur als eine Perlenkette schillernder Verbesserungen zu skizzieren. Es ging immer auch um Anderes: um die Ausbreitung des Menschen auf der ganzen Welt, um effizientere Methoden des Tötens und um die industrielle Ausbeutung der Natur zum Beispiel - mit weitreichendenden Folgen für Artenvielfalt und Klima. Dieser Mehrdeutigkeit von Innovationen können unsere Gäste beim Gang durch die Menschheitsgeschichte nachspüren, wenn sie auf 1.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche an über 1.000 Exponaten vorbeigehen", erklärt Löb weiter. "Dabei wird klar: Der Klimawandel ist für den Überlebenskünstler Mensch die bisher größte Herausforderung." "Der Besuch der Sonderausstellung "Überlebenskünstler Mensch" verspricht spannende und unerwartete Eindrücke. Über die facettenreiche Umsetzung der Inhalte werden generationsübergreifend und inklusionsgerecht alle Zielgruppen erreicht", betont Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung. "Getrieben von der biologischen Evolution, ist der Mensch als kulturelles Wesen auch gebunden an Kultur, Sozialisation und Gesellschaft. Dass wir uns gemeinsam an Einschränkungen und Hygienevorschriften in Zeiten einer Pandemie halten können, ist ebenfalls ein Ergebnis dieser Evolution", führt Gebhard weiter aus. Vielfältige Themen für eine vielfältige Spezies "Der Mensch als Säugetier ist nicht nur Teil der Natur, er beeinflusst seit langem seine eigenen Lebensräume wie keine andere Art. Grund genug, dem Menschen eine eigene Ausstellung im Naturkundemuseum zu widmen", so Dr. Jan Ole Kriegs, Direktor des LWL-Museums für Naturkunde. Kriegs: "Die Ausstellung wird getragen durch vier Leitfragen. Was macht uns aus? Wo kommen wir her? Wie haben wir uns ausgebreitet? Wohin gehen wir? Um diese Fragen zu beantworten, beleuchten wir die Kerneigenschaften des Menschen, wie die Sprache oder Spiritualität. Wir stellen verschiedenste Lebensräume vor, in denen wir vorkommen und fragen nach der Zukunft unseres Planeten." Viele Originalobjekte in der Ausstellung dienen als Zeugen dieser Entwicklung, wie zum Beispiel ein Original-Kompass, den der berühmte Polarforscher Robert Falcon Scott auf seiner Antarktis-Expedition eingesetzt hat. Der Kompass ist das Symbol für Entdeckergeist und Aufbruch in unbekannte Welten. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört eine geologische Probe, die der Forscher Alexander von Humboldt von seinen Expeditionen mitgebracht hat. Und die älteste Schrift der Menschheit wird gezeigt: eine Schrifttafel aus dem mesopotamischen Uruk. Es geht auch um die Herkunft des Menschen und um seine Verwandtschaft im Stammbaum der Primaten. So thematisiert die Ausstellung die Forschung in vergleichender Anatomie, die bereits der Gründer des LWL-Museums, Prof. Hermann Landois, betrieben hat. Er stand seinerzeit mit dem berühmten Evolutionsbiologen Charles Darwin in regem Austausch. In einer der 13 Inszenierungen ist deshalb das Arbeitszimmer Landois' mit Skeletten von Mensch und Gorilla zu sehen, die schon der Professor zu Lehrzwecken eingesetzt hat. Versuch und Irrtum der Menschwerdung "Im Laufe der Evolution des Menschen lebten verschiedene Arten von Menschen auf der Erde. Einige existierten sogar zeitgleich. Bis auf Homo sapiens, dem modernen Menschen, sind alle anderen jedoch ausgestorben", so Lisa Klepfer, die Kuratorin im LWL-Museum für Naturkunde. Die Verwandtschaft der einzelnen Arten sei bis heute nicht abschließend geklärt, denn jeder neue archäologische Fund bringe neue Erkenntnisse mit sich. Das Thema der menschlichen Evolution wird in der Ausstellung durch die Präsentation von sieben Köpfen nähergebracht. Die ausdrucksstarken, individuellen Gesichter der Büsten sind handwerklich anspruchsvolle Unikate und folgen den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Klepfer: "Die Köpfe haben wir von den Künstlern Adrie und Alfons Kennis als Leihgabe erhalten. Durch sie werden unsere ausgestorbenen Vorgänger auf einmal begreifbar und erscheinen uns wirklich und nah." Vom Kanu aus die Welt entdecken Sechs große Inszenierungen verdeutlichen in einem Ausstellungssaal die Ausbreitung der Menschheit in jeden Winkel der Erde und darüber hinaus: in die Wüste, den Weltraum, die Südsee, die Arktis und Antarktis, die Tiefsee und in den Regenwald. Ausstellungsmacherin Dr. Hanna Rüschoff: "Es gibt kaum einen Lebensraum, in den der Mensch noch nicht vorgedrungen ist - oft mit auf den ersten Blick eher unscheinbaren Hilfsmitteln." Ein Beispiel dafür ist ein rund 1,60 Meter mal ein Meter großer Nachbau eines Auslegerkanus von den Marshallinseln. Das Kanu mit seinem daran befestigten Schwimmer steht für die beeindruckenden Segelkünste der Seefahrerkulturen der Südsee. "Es ist kein großes Schiff wie das von Columbus, sondern ein kleines Boot, den Gewalten des Meeres trotzend, von Menschen gesteuert, die unter Einsatz ihres Lebens aufbrachen, um neue Lebensräume zu finden. Es zeugt vom Entdeckerdrang der Menschen", erklärt die Biologin. Virtual Reality erstmals im Museum Erstmals werden im LWL-Museum Virtual-Reality-Brillen in eine Ausstellung integriert. "Die virtuelle Welt eröffnet uns Möglichkeiten, von denen wir noch vor 20 Jahren nicht zu träumen gewagt hätten", sagt Ausstellungsmacherin Dr. Ramona Dölling. "Mit der VR-Brille versetzen wir unsere Gäste auf den Mars, wo sie die Landschaft erkunden und eine Marskolonie entdecken können", führt Dölling aus. "So kommen die Zukunftsvision der Raumfahrt und die mögliche Ausbreitung der Menschheit auf einen anderen Planeten in greifbare Nähe. Es macht deutlich, wie ungemütlich es auf anderen Planeten ist." Der Einsatz von VR-Brillen soll durch gründliche Desinfektion der Geräte nach jedem Gebrauch auch zu Corona-Zeiten ermöglicht werden. Künstler und Künstlerinnen am Werk Seit 2003 arbeitet das LWL-Museum mit der Fachhochschule Münster zusammen. 17 Studierende vom Fachbereich Design zeigen in der Ausstellung erstmals ihre Werke der Öffentlichkeit. Unter der Leitung von Professorin Cordula Hesselbarth fertigten die jungen Kreativen zwölf Arbeiten zu den unterschiedlichen Themen der Ausstellung an. Schöpfungs- und Jenseitsmythen aus aller Welt, das Wettrennen zum Südpol zwischen Roald Amundsen und Robert Falcon Scott oder die Entwicklung der Schrift sind einige davon. Hintergrund zur Ausstellung Das Museum des LWL in Münster zeigt vom 21.8.2020 bis zum 26.9.2021 die Sonderausstellung "Überlebenskünstler Mensch". Die Ausstellung ist für alle Menschen geeignet. Sie beinhaltet: Brailleschrift, einen speziellen, mehrsprachigen Audioguide (D, EN, NL sowie Audiodeskription in D) sowie Tastmodelle für Menschen mit Sehbehinderung, Mitmachstationen und untertitelte Filme. Bedingt durch Hygienemaßnahmen gegen die Covid19-Pandemie wird es im laufenden Betrieb derzeit noch Einschränkungen an Tast-Objekten geben. Blinde und sehbehinderte Menschen sollten sich bei der Museumsinformation am Eingang melden, damit ihnen die volle Ausstellungserfahrung dennoch möglich gemacht werden kann. Alle Ausstellungsbereiche sind für gehbehinderte Menschen und Familien mit Kinderwagen zugänglich. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Schüler und Schülerinnen, Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene, Werkstattnachmittage und Literarische Rundgänge angeboten. Ein Begleitbuch vertieft die Inhalte der Ausstellung und ist im Shop erhältlich. Das YouTube-Video zur Ausstellung finden Sie hier: https://youtu.be/ztRMXTuAQEU Möglich ist die Ausstellung durch Kooperationen mit Museumspartnern, wie der LWL- Kulturstiftung und der Sparda-Stiftung Münster, die die Ausstellung finanziell unterstützen. Ausstellungsdauer Überlebenskünstler Mensch: 21.08.2020 - 26.09.2021 http://www.ueberlebenskuenstler-mensch.lwl.org Begleitbuch: Dölling, Ramona und Rüschoff, Hanna (2020): Überlebenskünstler Mensch. LWL-Museum für Naturkunde. ISBN 978-3-940726-68-1, 116 Seiten, Preis: 14,80 Euro. LWL-Museum für Naturkunde Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium Sentruper Str. 285 48161 Münster Telefon: 0251 591 05 Geöffnet: dienstags bis sonntags von 9-18 Uhr Eintritt: 7,50 Euro Erwachsene, Minderjährige unter 18 Jahre haben freien Eintritt
Rucksack voller Kultur ist gepackt - Jury wählt 18 außerschulische Projekte aus
LFP Redaktion

Rucksack voller Kultur ist gepackt - Jury wählt 18 außerschulische Projekte aus

Münster - Die Würfel sind gefallen, ein Rucksack voller Kultur ist gepackt: Aus einer Vielzahl von Vorschlägen wählte eine Jury jetzt 18 spannende Kulturprojekte für Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren aus. Die Auswahl ist so vielfältig wie spartenübergreifend. Wie arbeiten DJs und wie funktioniert Tontechnik? Antworten liefert ein Intensiv-Workshop mit einem Besuch im Studio. Lieber selbst Musik kreieren? Das Mixen eigener Tracks ist gleich inklusive. Streifzüge mit der Smartphone-Kamera durch den Botanischen Garten verbinden das Erkunden der exotischen Pflanzenwelt mit der Fotografie. Tipps für eine perfekte Bildbearbeitung bringen bei diesem Angebot „Kleine Welten groß raus.“ Eigene Erfahrungen in ein theaterpädagogisches Format einbringen - auch dieses Schauspielangebot nur für Mädchen kommt in den kreativ gefüllten Rucksack. Was allen ausgewählten Projekten gemeinsam ist, ist die kreative Eigeninitiative und die Anbindung an die persönliche Lebenswelt. Die NRW-Initiative Kulturrucksack richtet bewusst das Augenmerk auf die Grenzgänger zwischen Kindheit und Jugend. „Sie sollen in dieser Phase des persönlichen Umbruchs angeregt werden, ihre Welt aktiv zu gestalten“, erläutert Kulturamtsleiterin Frauke Schnell. Dass das seit Jahren so gut funktioniere, liege vor allem an den vielen, bereichernden Ideen von städtischen und freien Kunstschaffenden, Kultur-und Bildungseinrichtungen und Trägern der Jugendkulturarbeit. Seit 2013 unterstützt das Land den Kulturrucksack jährlich mit rund 53 000 Euro. Über Programmdetails, Anbieter und Anmeldungen informieren ab Ende März ein Flyer und das Stadtportal (www.stadt-muenster.de/kulturamt/kulturrucksack).

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