Rubrik: Gesundheit, Medizin & Ernährung

Gemeinsame Fachabende: Interdisziplinärer Austausch zu Sucht, Begleiterkrankungen und Arzneimitteltherapie
LFP Redaktion

Gemeinsame Fachabende: Interdisziplinärer Austausch zu Sucht, Begleiterkrankungen und Arzneimitteltherapie

Wie kann man Menschen mit Mehrfacherkrankungen optimal behandeln? Wie sieht zum Beispiel eine lückenlose Anschlussversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt aus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen liefern drei Fachabende, die in dieser Form erstmals im Rahmen einer breit angelegten Gemeinschaftsaktion angeboten werden – unter Federführung des "Arbeitskreises Sucht im Kreis Coesfeld". Die Auftaktveranstaltung ist für kommenden Mittwoch (11. Oktober 2017) geplant; zwei Folgetermine finden am 29. November 2017 und am 24. Januar 2018 statt. Veranstaltungsort ist jeweils der „Alte Hof Schoppmann" in Nottuln-Darup, wo dann jedes Mal von 17:30 Uhr bis 20:30 Uhr getagt wird. Am ersten Fachabend beschäftigen sich Fachreferate und eine Podiumsdiskussion mit dem Themenschwerpunkt "Sucht, psychische Begleiterkrankungen und Psychopharmakotherapie". Eingeladen sind alle an der gesundheitlichen und sozialen Versorgung im Kreis Coesfeld beteiligten Stellen und Einrichtungen – insbesondere Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Pflegekräfte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie Fachkräfte in der Suchtkrankenhilfe. Die Fachabendreihe ist eine Gemeinschaftsaktion 18 verschiedener Träger und Kooperationspartner mit Verantwortung in diesem Bereich und wird im Rahmen des "Landesaktionsplans gegen Sucht NRW" veranstaltet. Gemeinsam wird angestrebt, den fachlichen Austausch und die interdisziplinäre Zusammenarbeit an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu fördern. Aktuelle Neuregelungen zur patientenorientierten Versorgung – wie etwa zum Medikationsplan und zum Entlassmanagement im Falle einer Krankenhausbehandlung – bieten dazu konkrete Anlässe. Der zweite Fachabend am 29. November 2017 (ebenfalls ein Mittwoch) befasst sich exemplarisch mit bewährten Behandlungsverfahren zum Bereich "Sucht, körperliche Begleiterkrankungen und Arzneimitteltherapie“. Am 24. Januar 2018 (Mittwoch) geht es dann um die Bedeutung von Medikationsmanagement, Arzneimitteltherapiesicherheit und Medikamentenmissbrauch bei der Versorgung von Menschen mit Mehrfacherkrankungen. Die Teilnahme ist jeweils gebührenfrei. Die Abende sind von der Ärztekammer und der Apothekerkammer Westfalen-Lippe als Fortbildungsmaßnahmen anerkannt. Anmeldungen nimmt zentral die AWO Sucht- und Drogenberatungsstelle in Dülmen entgegen – unter Telefon 02594 / 91000, der Faxnummer 02594 / 910030 oder per E-Mail an u.flasche(at)awo-msl-re.de. Nähere Informationen zum Programm und zur Teilnahme finden sich in der Einladung und im Faltblatt, die auf der Seite www.drocoe.de zum Download bereit stehen.
Kreis Coesfeld: Blinden- und Gehörlosengeld
LFP Redaktion

Kreis Coesfeld: Blinden- und Gehörlosengeld

Kreis Coesfeld - Rund 1,8 Millionen Euro hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im vergangenen Jahr an blinde und hochgradig sehbehinderte sowie gehörlose Menschen im Kreis Coesfeld ausgezahlt (2015: 1,8 Millionen Euro). 2016 erhielten 539 Menschen diese Hilfe, um den finanziellen Mehraufwand, den ihre Behinderung mit sich bringt, auszugleichen (2015: 555). Blinden- oder Gehörlosengeld erhalten Menschen in Westfalen-Lippe, deren Seh- oder Hörvermögen stark eingeschränkt oder gar nicht mehr vorhanden ist. Durch die Sinnesschädigung fallen häufig erhebliche Kosten an, die nur zum Teil von den Krankenkassen abgedeckt werden. Die vom LWL ausgezahlten Gelder sollen diese Ausgaben ausgleichen. Sie werden unabhängig von Einkommen und Vermögen des Betroffenen gezahlt. Derzeit stehen blinden Erwachsenen unter 60 Jahren monatlich 681,70 Euro zu. Ab dem 60. Lebensjahr beträgt das Blindengeld 473 Euro. Kinder und Jugendliche erhalten 341,44 Euro. Stark hörgeschädigte, hochgradig sehbehinderte oder taube Menschen haben Anspruch auf eine Hilfe von monatlich 77 Euro. 2016 haben westfalenweit 24.501 (2015: 24.785) Menschen mit Sinnesbehinderung Blinden und Gehörlosengeld in Höhe von mehr als 82 Millionen Euro (2015: rund 82 Millionen Euro) vom LWL erhalten. Um Leistungen zu erhalten, müssen Betroffene beim Landschaftsverband zuvor einen Antrag stellen. Formulare sind bei allen Sozialämtern erhältlich. Sie können auch direkt bei der LWL-Behindertenhilfe Westfalen angefordert werden. Weitere Informationen gibt es unter http://www.lwl.org/LWL/Soziales/Behindertenhilfe.
Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling
LOOKAT Redaktion Münster

Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling

Am 8. Dezember 2016 war die kleine Michalina Binek mit einem mehrfachen komplexen Herzfehler auf die Welt gekommen. In ihrer Heimat Polen konnten die Ärzte dem Mädchen nicht helfen und schickten es deshalb ans UKM (Universitätsklinikum Münster) zu Prof. Edward Malec, Chefarzt der Abteilung für Kinderherzchirurgie. Er operierte den Herzfehler Anfang des Jahres erfolgreich. Trotzdem kam Michalina auch in den Wochen nach der OP nicht ohne Beatmung aus: Ihre Eltern, Aleksandra und Rafal Binek, mussten also weiter darauf warten, ihre Tochter endlich auch ohne Schläuche in die Arme schließen zu können. Grund dafür, dass das Mädchen nicht selbständig atmete, war, dass das Bronchialssystem nach der Herzoperation stark komprimiert wurde. „Insbesondere der linke Hauptbronchus zwischen Herz und Aorta war zu 90 Prozent verengt“, sagt Oberarzt Dr. Claudius Werner, Leiter des Bereichs Pädiatrische Pneumologie. Einzig denkbare Lösung: das Einsetzen eines Stents (siehe Info-Kasten unten), also eines Platzhalters, der die Bronchialwege offenhalten sollte. „Erwachsene bekommen in solchen Fällen problemlos einen Stent implantiert“, weiß der Oberarzt und Leiter der interventionellen Pneumologie am UKM, Dr. Michael Mohr. Normalerweise werden bronchiale Stents in Abständen von sechs bis acht Wochen gewechselt: Dazu ist jeweils erneut ein Eingriff nötig. „Das Entfernen des alten Stents ist aber mit einem deutlich erhöhten Risiko von Komplikationen wie Blutungen verbunden. Michalina wollten wir das doch sehr invasive Verfahren ersparen und haben uns deshalb für eine selbstauflösendes Implantat entschieden.“ Weltweit gibt es nur einen Hersteller solcher spezieller Stents – dort wurde ein maßangefertigtes Modell geordert, das eigentlich für die Anwendung in der Speiseröhre entwickelt wurde, aber auch im Bronchialsystem verwendet werden kann. Mitte April setzte Mohr Michalina das Implantat ein: „Die Bronchien haben bestenfalls einen Durchmesser von fünf Millimetern – ich hatte großen Respekt davor“, erinnert er sich, Und sein Kollege Werner aus der Kinderheilkunde sagt: „Aus meiner Warte ist Michalina ja schon ein vergleichsweise ‚großer‘ Patient – ich hatte eher Angst, der Eingriff könnte insgesamt vielleicht nicht gelingen. Bei einem so kleinen Kind wurde in Deutschland unseres Wissens nach noch nie ein selbstauflösender Stent verwendet.“ Trotzdem beschlossen Werner und Mohr gemeinsam, den Eingriff erstmals durchzuführen. Heute, fünf Wochen nach dem Eingriff, ist Michalina die Beatmungsschläuche los: Auf dem Arm ihrer Mutter kann sie langsam die Welt kennenlernen. Der Stent in ihren Bronchien sitzt gut, muss aber trotzdem möglicherweise nach der Auflösung ersetzt werden. Doch das Komplikationsrisiko ist minimiert, weil er einfach immer wieder an dieselbe Stelle gesetzt werden kann. Auch weitere Herzoperationen bleiben dem Mädchen sicher nicht erspart – zudem müssen ihre Eltern mit ihr regelmäßig zur Nachsorge zu den Experten nach Münster reisen. Dank der interdisziplinären Behandlung aber ist für Michalina ein normales Leben wahrscheinlich. Info: Ein Stent ist ein medizinisches Implantat bzw. ein künstlicher Platzhalter, der in Gefäße, in die Speiseröhre, aber auch in Atem- oder Gallenwege eingesetzt werden kann. Es handelt sich um eine Art Gittergerüst in Form eines Röhrchens aus Metall oder Kunststoff. Je nach Einsatzort im Körper gibt es unterschiedliche Größen und Formen.
"Eine intensive Zeit": Fünf Jahre Spezialstation für essgestörte Jugendliche
LOOKAT Redaktion Münster

"Eine intensive Zeit": Fünf Jahre Spezialstation für essgestörte Jugendliche

„Ich habe (dort) gelernt, dass nicht nur Leistung, Disziplin, Sport und immer weiter abnehmen zufrieden machen. Stattdessen ist es der Spaß an der Schule und mit Freunden – und vor allem Kraft für diese Dinge zu haben.“ Dieses Fazit zieht Chiara (Name der Red. bekannt) nach ihrem Aufenthalt auf der Spezialstation für Essgestörte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKM (Universitätsklinikum Münster). Chiara ist eine „typische“ magersüchtige Patientin: Sie stammt aus einem wohlbehütenden Elternhaus und kann sich nur schlecht ohne Schuldgefühle gegen ihre Eltern abgrenzen. Die tiefe Loyalität zu den Eltern verhindert altersangemessene Auseinandersetzungen, die Angst vor konfliktgeladener Reibung blockiert einen gesunden inneren Ablösungsprozess und damit das Erwachsenwerden. Entsprechend werden auch die zur Pubertät gehörenden körperlichen Veränderungen nicht akzeptiert. „Die Magersucht (Anorexia nervosa) ist ein typisches Krankheitsbild in Familien mit gutem Bildungsniveau“, sagt Prof. Georg Romer, Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „In vielen Fällen liegen schulischer Perfektionismus in Verbindung mit einer konfliktvermeidenden Eltern-Kind-Beziehung zu Grunde. Den betroffenen Familien ist das in ihrem Streben nach äußerer Harmonie aber nicht bewusst.“ Bis zu einer vollständigen Überwindung der Essstörung einschließlich dauerhaft stabiler Normalgewichtigkeit sind oftmals lange Behandlungsverläufe nötig, die von vielen Fallstricken begleitet sein können. Multimodale und auf die Erkrankung abgestimmte Behandlungs¬konzepte mit hoher Erfahrungsexpertise sind dabei ebenso wichtig wie ein jugendgerechtes therapeutisches Milieu unter Gleichaltrigen, um die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben auf dem Weg zum jungen Erwachsenen zu unterstützen. Mit einem multifamiliären Ansatz unterstützen Romer und sein Team in den Monaten nach der Behandlung junge magersüchtige Patienten und ihre Familien dabei, im Kampf gegen die Magersucht stark zu bleiben. In gruppentherapeutischen Sitzungen arbeiten mehrere Familien gemeinsam das Krankheitsbild ihrer Kinder auf. „Da die Jugendlichen sich oft selbst nicht trauen, ihr Störempfinden gegenüber den eigenen Eltern auszusprechen, wirkt die Multifamilientherapie wie ein Spiegel. Denn bei anderen Familien mit ähnlich gelagerten Problemen sind die jungen Menschen sehr wohl in der Lage, kritische Rückmeldungen darüber zu geben, warum diese sich immer wieder in ähnlicher Weise in Kämpfe ums Essen verstricken, ohne dabei ihre Konflikte zu lösen. Sozusagen ‚über Bande gespielt‘ bekommen die Eltern und Betroffenen so Rückschluss darüber, wo die Kommunikation in ihrer eigenen Familie aneinander vorbei läuft“, weiß Romer. Auch die Bewegungs- und Kunsttherapien sind Teil des multimodalen Konzepts und setzen vor allem beim gestörten Körperbild der Patienten an. So soll sichergestellt werden, dass der Erfolg des Klinikaufenthaltes auch auf lange Sicht bleibt: „Mit unserem engmaschigen, breit aufgestellten Nachsorge-programm betreuen wir die Familien auch nach einer stationären Entlassung. Einen erneuten Absturz des Gewichts können wir so in den meisten Fällen verhindern“, sagt Romer. Und er unterstreicht, wie wichtig es ist, die Therapie speziell auf Jugendliche abzustimmen: „Jugendliche sind keine Erwachsenen – insofern sollte eine Magersucht bei ihnen immer in einer jugendgerechten Umgebung unter Gleichaltrigen mit den entsprechenden Therapiekonzepten behandelt werden. Wir bieten als Maximalversorger mit eigener Intensivstation und Tagesklinik sowie pädiatrischer Anbindung alles unter einem Dach.“ Für Chiara war die Spezialstation der Ausweg aus der Krankheit, denn sie – und auch ihre Eltern – haben dort gelernt, dass sie als junge Frau für sich selbst stehen kann: „Ich würde auf jeden Fall sagen, dass ich deutlich mehr Vertrauen von meinen Eltern bekommen habe, und dass sie jetzt ein wenig losgelöster von mir sind, weil ich jetzt selbstständiger bin. Die Beziehung ist jetzt weniger eng als vorher – aber im positiven Sinne.“